Anlagen in Immobilien – lohnt sich das wirklich?
Erstellt von Ralf Renner am Mittwoch 3. August 2011
Seit es an den Finanzmärkten wackelt, der Euro in Gefahr scheint und viele Experten oder auch selbst ernannte Experten schon fast das Ende des gesamten Abendlandes voraussagen, werden massiv Sachwerte, wie zum Beispiel Edelmetalle oder Immobilien empfohlen und beworben.
Auch viele meiner Kunden kommen auf mich zu und fragen, ob sie nicht besser in handfeste Werte investieren sollten und was ich denn von Gold und Immobilien halte.
Daher werde ich diesen Artikel der Immobilie als Geldanlage bzw. Altersvorsorge widmen. Den Focus setze hier auf Wohnimmobilien in Form von Eigentumswohnungen.
Folgende Fragen werde ich näher beleuchten:
- Sind vermietete Wohnimmobilien eine geeignete Form zur Altersvorsorge bzw. zur Geldanlage?
- Was ist von den ganzen tollen Argumenten der Immobilienverkäufer und Vertriebe zu halten?
- Welche Arten des Kaufs gibt es?
- Welche Kriterien sollten beim Kauf unbedingt beachtet werden?
Beginnen wir mit der ersten Frage:
Ist eine vermietete Eigentumswohnung überhaupt eine sinnvolle Anlage?
Hier sage ich ganz klar: JA. Allerdings müssen sowohl die Rahmenbedingungen stimmen (siehe auch: Kriterien) und es muss in das Portfolio des potentiellen Anlegers passen. Eine Immobilie ist auf jeden Fall eine langfristige Anlage und muss auch als solche betrachtet werden. Die Immobilienanlage darf nie dazu führen, dass Sie in Ihrer Liquidität eingeschränkt sind. Nichts ist schlimmer als wenn Sie eine Wohnung oder ein Haus schnell verkaufen müssen, weil Sie dringend Geld brauchen!
Die Argumente der Immobilienverkäufer:
Seit Sachwerte und Immobilien wieder so beliebt sind, sind auch Heerscharen von Immobilienexperten und Verkäufern unterwegs. In der Regel bringen die immer die gleichen Argumente. Im Folgenden werde ich diese Argumente kritisch überprüfen.
“Die Immobilie ist das sicherste Investment überhaupt!”
Das ist insofern richtig, als dass Sie als Eigentümer im Grundbuch stehen. Das hat eine sehr lange Tradition in Deutschland und kann auf jeden Fall als sicher bezeichnet werden (Grundbuchsicherheit). Wenn Sie die Eigentumswohnung über eine Bank finanzieren, relativiert sich das wieder etwas, weil dann die Bank als Gläubiger ins Grundbuch eingetragen wird. In der Urkunde zur Grundbuchbestellung steht dann der Passus: „vollstreckbar nach §800 ZPO. In „unsere“ Sprache übersetzt bedeutet das, dass die Bank bei Nichtzahlung der Raten die Wohnung direkt in die Zwangsverwaltung oder Zwangsvollstreckung nehmen kann, kurz und schmerzlos ohne langes Gerichtsverfahren. Da hats sichs dann schon mit der „Grundbuchsicherheit“.
“Die Immobilie ist eine inflationsgeschützte Anlage!”
Auch hier kann ich nur mit „jein“ antworten. Ein „echter“ Inflationsschutz würde bedeuten, dass die Miete an die Inflationsrate gekoppelt ist. Diese Regelung trifft man zwar häufig bei Gewerbeimmobilien an, aber nicht im Bereich der Wohnimmobilien. Wenn Sie also einen Mieter in der Wohnung haben, der dort 20 Jahre wohnt, haben Sie sehr wenige Optionen, um die Miete erhöhen zu können. Die beste Möglichkeit für Mietanpassungen im Wohnbereich haben Sie bei Mieterwechsel. Da können Sie den Mietzins natürlich wieder neu festsetzen.
“Die Immobilie steigt im Wert!”
Das kann sein, muss aber nicht! Ob Sie mit einer Eigentumswohnung eine nachhaltige Wertsteigerung erreichen, hängt vor allem von drei Faktoren ab:
- Dem Kaufpreis
- Dem Bauzustand
- Der Entwicklung von Mikro- und Makrolage
Das mit dem Kaufpreis ist klar nachvollziehbar: Je geringer der Preis zu dem Sie einkaufen, desto größer die „Wertsteigerung“. Die alte Regel, dass im Einkauf der Gewinn liegt, gilt natürlich auch bei Immobilien. Die Frage des Bauzustands ist wahrscheinlich ebenfalls jedem klar: Je besser der Zustand der Immobilie, desto höher ihr Wert und desto geringer die laufenden Kosten für Reparaturen und Sanierung. Und dass die Lage wichtig ist, haben wir auch schon alle gehört. Was sind nun aber Makro- und Mikrolage?
Ein kurzer Exkurs:
Makrolage: Die Makrolage bezieht sich auf die Region, die Stadt oder den Stadtteil. Wichtig sind hier Punkte wie Wirtschaftskraft, Einwohnerzahl, Altersdurchschnitt aber auch die zukünftige Entwicklung der Region oder der Stadt.
Mikrolage: Bei der Mikrolage spielen eher Merkmale wie Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, soziale Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten…), Immissionen, etc. eine Rolle. Hier geht es also um die direkte Umgebung einer Immobilie.
Daraus lässt sich ableiten, dass für eine realistische Einschätzung der Lage Ortskenntnisse unabdingbar sind! Die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Lage ist naturgemäß schwierig. Auf jeden Fall sollten Sie sich Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung des Standortes näher betrachten. Ein Gespräch mit dem regionalen Bauamt kann auch nicht schaden. Wäre ja schon blöd, wenn direkt neben der schönen Immobilie mit der ruhigen Lage in einem Jahr eine neue Schnellstraße vorbeiführen wird.
Welche Arten von Kauf gibt es?
Im Bereich der Eigentumswohnungen gibt es verschiedene Varianten, wie Sie zu Eigentum kommen können. Die drei, die in der Praxis am häufigsten vorkommen sind:
Der Kauf einer bestehenden Immobilie:
Hier erwerben Sie eine schon fertig gebaute oder sanierte Wohnung, meist bereits vermietet. Der Vorteil ist der, dass Sie von Anfang an Mieteinnahmen generieren und kein Fertigstellungsrisiko haben. Sie können die Wohnung und das Gebäude genau begutachten, können mit dem Mieter oder anderen Eigentümern sprechen und so schon im Vorfeld viel über die Werthaltigkeit der Immobilie erfahren. Nachteil: Die Immobilien sind meist schon älter, die letzte Sanierung liegt oft Jahre zurück. Der Reparaturbedarf wird also höher sein, als bei Neubauten und das Gebäude wird nicht den neuesten Standards entsprechen (Haustechnik, Sanitärbereich, Dämmung).
Kauf einer denkmalgeschützten Immobilie:
Bei dieser Variante kaufen Sie erst mal eine Ruine, bzw. einen Teil einer Ruine, der später Ihre Wohnung werden soll. Erst wenn ein Großteil der Wohnungen in dem Objekt verkauft ist, wird der Bauträger mit den Sanierungsarbeiten beginnen. Der Grund dafür sind steuerliche Aspekte. Der Staat ist daran interessiert, historische Gebäude zu erhalten und möglichst detailgetreu zu sanieren. Da er das aber selbst nicht leisten kann und will, gewährt er den Eigentümern, die dies übernehmen, einen Steuervorteil in Form von erhöhten Abschreibungen. Diesen Steuervorteil haben Sie aber nur auf den Sanierungsanteil, das heißt auf die Kosten, die durch die Sanierung des Gebäudes entstehen. Würden Sie also eine fertig sanierte, denkmalgeschützte Wohnung kaufen, hätten Sie keinen steuerlichen Vorteil mehr. Daher kaufen Sie die Wohnung im unsanierten Zustand. Vorteil: Ganz klar der hohe Abschreibungsanteil und damit steuerliche Vergünstigungen. Nach Fertigstellung sind Sie Eigentümer einer nach neuesten Standards sanierten Wohnung. Nachteil: Den besonderen Steuervorteil haben Sie nur über die ersten 12 Jahre. Sie tragen Fertigstellungs- und Kostenrisiko. Der Bauträger könnte während des Baus pleitegehen, bzw. es können während des Baus sowohl Verzögerungen auftreten als auch die Kosten steigen. Hier ist es also enorm wichtig, einen erfahrenen und kapitalstarken Bauträger auszuwählen.
Erwerb über eine Zwangsversteigerung:
Eine besondere Art, bestehende Immobilien zu erwerben, ist die Zwangsversteigerung.
Die Zwangsversteigerung ist die Durchsetzung eines Anspruchs (in der Regel von der Bank) mit staatlichen Mitteln, ist gesetzlich geregelt (Gesetz über die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung) und wird von den örtlichen Amtsgerichten ausgeführt.
Vorteil: Sie können bestehende Immobilien oft sehr günstig deutlich unter dem Verkehrswert erwerben. Die Nebenkosten (Notargebühren) sind niedriger als beim freien Kauf.
Nachteil: um bei der Versteigerung mietbieten zu können, müssen Sie Kapital nachweisen (10% des festgesetzten Verkehrswerts). Das muss entweder rechtzeitig vor dem Termin in der Gerichtskasse eingezahlt werden oder Sie brauchen einen Verrechnungsscheck einer Bank über diese Summe, den Sie beim Versteigerungstermin vorlegen müssen. Ansonsten gelten die gleichen Vor- und Nachteile wie im Punkt 1.
Welche Kriterien sollen beim Kauf unbedingt beachtet werden?
Wenn Sie jetzt soweit sind, dass Sie sagen: „Ja, ich möchte eine Eigentumswohnung erwerben.“, sollten Sie vor dem Kauf auf folgende Dinge achten bzw. sich folgende Unterlagen aushändigen lassen:
Bei Bestandsimmobilien:
| Welche Unterlagen? | Warum brauchen Sie diese? |
| Entwurf Notarvertrag | Dieser Vertrag ist die Kaufgrundlage und Sie haben hier kein Rücktrittsrecht! Also: Vorher genau studieren! |
| Aktuelles Verkehrswertgutachten | Das Gutachten enthält viele Informationen zum Zustand und zur Bausubstanz, meist auch Fotos vom Objekt. Außerdem natürlich den aktuellen Verkehrswert. |
| Wirtschaftspläne der letzten 3 Jahre | Durch den Vergleich der Wirtschaftspläne können Sie ermitteln, ob die Nebenkosten sauber kalkuliert sind. Zwar legen Sie den größten Teil der Nebenkosten auf den Mieter um, aber überproportional steigende Nebenkosten verärgern auch Mieter und erhöhen die Fluktuation. |
| Mindestens die letzten 3 Protokolle der Eigentümerversammlung | Damit sind Sie über eventuelle Schwierigkeiten in der Vergangenheit informiert und können abschätzen, ob es Reparatur- oder Sanierungsstaus gibt. |
| Die Übersicht der Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft | |
| Den Mietvertrag mit dem Mieter, Informationen über Unregelmäßigkeiten bei der Mietzahlung | Damit erhalten Sie fundierte Informationen über die zu erzielende Miete und eventuelle Ausfallrisiken. |
Sollte der Verkäufer Ihnen diese Informationen nicht geben wollen: Finger weg!!!
Neubauten & Denkmäler:
Bei Neubauten bzw. Denkmalsimmobilien gibt es diese Unterlagen natürlich (noch) nicht, Sie sollten aber auch hier den Notarvertrag, den Verkaufsprospekt, die Baubeschreibung, den Bauträgervertrag und die Teilungserklärung genau prüfen und Dinge hinterfragen, die Ihnen nicht klar sind oder die Sie nicht verstehen.
Wenn Sie den Erwerb finanzieren wollen, benötigen Sie natürlich dafür noch weitere Unterlagen. Das ganze Thema der Finanzierung ist sehr komplex, ich werde dazu demnächst hier einen weiteren Artikel veröffentlichen.
Zusammenfassung & zwei entscheidende Tipps
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Anlage in eine vermietete Eigentumswohnung als Kapitalanlage oder Altersvorsorge sinnvoll ist, wenn Sie auf die hier beschriebenen „Spielregeln“ achten.
Letzte, aber entscheidende Tipps:
Kaufen Sie NIE eine Immobilie, die Sie vorher nicht gesehen haben! -> Ja, das machen manche wirklich!
Kaufen Sie nur dort, wo Sie sich auskennen! Wenn Sie wirklich unbedingt eine Wohnung in einer Stadt erwerben möchten, in der Sie sich nicht auskennen; verlassen Sie sich nie auf die Aussagen des Verkäufers. Fahren Sie hin, planen Sie genügend Zeit ein, reden Sie mit den Anwohnern, machen Sie sich Ihr eigenes Bild.
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